Tage wie diese

IMG_20170612_074940_729[1]Gerade sitze ich in Bansin auf dem Balkon meines gemütlichen Hotelzimmers. Der weite Blick aufs Meer und das Wellen-rauschen, wie auch das Nichts-Tun lassen mich aus dem Berliner Arbeitsalltag entfliehen.

Meine Gedanken schweifen trotzdem zum letzten Freitag im Kindergarten. Dieser Tag war für einige von unserem Team, mich eingeschlossen, sehr kräftezehrend. Besonders auffällig war mir, wie schwer es fiel seine eigenen Grenzen der Belastung zu erkennen und rechtzeitig zu Handeln oder Hilfe einzufordern. So kam es zu Überforderung und schließlich zum Knall.

Verschiedenes trifft aufeinander:

Meine eigene Überforderung anerkennen – wie sehr wir doch immer alles im Griff haben müssen. Hilfe brauchen ist ja irgendwie auch Schwäche zeigen. Wieso ist das mit der Fehlerfreundlichkeit nur so verflixt?

Doch zuvor müssen wir diese auch rechtzeitig wahrnehmen – Achtsam sein, durchatmen, die Signale erkennen. Ich gebe zu, das habe ich nicht so richtig gelernt. Doch ich würde es sehr gern können.

Dem eigenen Anspruch gerecht werden – wie selten sind die Tage, an denen ich nach Hause gehe und denke: Heute war ich so richtig eine Pädagogin, wie ich es mir immer zu sein wünsche. Ich war in spannenden Dialogen, konnte eine angenehme Atmosphäre aufrecht erhalten, die Kinder gut in ihren Bedürfnissen begleiten, Kollegen unterstützen, magische Momente sehen und diese vielleicht sogar festhalten. Die Zeiten und Orte waren günstig.

Manchmal strömt einfach immer mehr auf einen ein – Bedürfnisse wollen befriedigt, Dränge nicht eingegrenzt, Antworten gehört, Entscheidungen getroffen, Konflikte gelöst, Pflaster geklebt, Traurige getröstet, Suchende begleitet… WERDEN.

Das Wissen darum, dass es gerade keinen Ausweg gibt ODER vielleicht doch?

Authentizität und sich selbst schützen

Ich habe letztens ein Audiobook gehört „Die vier Versprechen“ von Don Miguel Ruiz. Dafür möchte ich weder werben, noch bin ich mir im Klaren, wie gut ich es im Allgemeinen finde. Dennoch habe ich etwas für mich wichtiges gelernt:

„Versuche immer dein Bestes zu geben. Dieses Beste ist natürlich nicht jeden Tag gleich, doch es ist dann immer dein Bestes.“

Mehr als mir das vorzunehmen, kann ich gar nicht tun.  Jeder Tag ist eben anders bzw. ich selbst und meine körperliche und seelische Verfassung können nicht immer optimal sein. Vielleicht fällt es mir in Zukunft leichter, auch solch schwierige Situationen mit mehr Gelassenheit zu nehmen, wenn ich einfach nur versuche mein Bestes zu tun.

Natürlich ist es von Vorteil zu wissen bzw. für sich selbst oder im Team zu klären:

Wie viel kann und möchte ich leisten? Wie erkenne ich meine Grenzen? Was sind eigentlich meine Aufgaben als Pädagoge? Wie kann ich eine Balance zwischen den Bedürfnissen der Kinder und meiner eigenen Bedürfnisse und Kräft schaffen? Wie sehr kann ein erarbeiteter Standard z.B. stark gelebte Partizipation noch realisiert werden, wenn der Rahmen nicht mehr stimmt?

Wahrscheinlich wird die „Wahrheit“ irgendwo dazwischen liegen und ständig im Wandel sein. Somit ist wohl auf jeden Fall unsere Aufgabe als Pädagoge uns und unser pädagogisches Handeln regelmäßig zu reflektieren.

Ja genau: REFLEXION!

Genauso bedeutungsvoll ist für mich die Atmosphäre im Team:

– Teamgeist, Zusammenhalt und für einander da sein, sich trauen können, Offenheit, Verständnis, Umsichtigkeit, sich verantwortlich fühlen, Austausch, gute Organisation, gegenseitige Unterstützung und Hilfe, mal meckern dürfen, gemeinsame Reflexion –

mit diesem Rückhalt, können auch „Tage wie diese“ mit einem Lächeln zu Ende gehen.

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Ich denke, ich habe das vielleicht gefunden und muss noch etwas mehr vertrauen lernen.

JESSY

 

 

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